Kirchenorgel in St. Brigida Baal

Beschreibung der Fleiter-Orgel

Die vollmechanische Schleifladenorgel umfasst 13 Register auf zwei Manualen und Pedal. Hauptwerk und Pedal wurden auf einer kombinierten Lade aufgestellt. Dadurch wird über eine Doppelschleife die Trompete des Hauptwerks ins Pedal transmittiert.

 

Die Registerdisposition der Orgel

 

Manual I: Hauptwerk [6]

1.

Prinzipal

8‘

56 Pfeifen

2.

Gedackt

8‘

56 Pfeifen

3.

Oktave

4‘

56 Pfeifen

4.

Gemshorn

2‘

56 Pfeifen

5.

Mixtur 5f.

2‘

280 Pfeifen

6.

Trompete

8‘

56 Pfeifen

Manual II: Positivwerk [5]

1.

Rohrflöte

8‘

56 Pfeifen

2.

Blockföte

4‘

56 Pfeifen

3.

Prinzipal

2‘

56 Pfeifen

4.

Sesquialter

2 2/3 ‘

112 Pfeifen

5.

Larigot

1 1/3‘

56 Pfeifen

Pedalwerk C [3] Koppeln

1.

Subbass

16‘

30 Pfeifen

2.

Holzflöte

8‘

30 Pfeifen

3.

Trompete

8‘

Transmission vom Manual I

Manualkoppel II/I

Pedalkoppel I/P

Pedalkoppel II/P

 

Handreichung der Orgelbau-Firma Fleiter

 

Liebe Gemeinde,
verehrte Freunde der Orgelmusik

Planung und Bau einer Orgel sind immer dann am besten realisierbar, wenn dem Orgelbauer die Möglichkeit gegeben wird, mit interessierten Ansprechpartnern gründlich und direkt die individuellen Besonderheiten der in Frage kommenden Orgelplanung zu behandeln.

Im Zusammenhang mit dem Orgelneubau Ihrer Gemeinde war es mir eine Freude, dass ich mit den Herren Pfarrern Veldhuis und Engels und dem Orgelsachverständigen, Herrn Kirchenmusikdirektor Viktor Scholz, nicht nur vor der förmlichen Auftragserteilung, sondern auch in der Folgezeit Ansprechpartner hatte, die besonders engagiert für das orgelbauliche Anliegen Ihrer Gemeinde eintraten.

Der Aufforderung, für die Druckschrift anlässlich der Orgelweihe eine Orgelbetrachtung zu formulieren, komme ich gerne nach, wobei ich, bevor ich speziell auf Ihre neue Orgel eingehe, eine kurze allgemein gehaltene orgelkundliche Einführung voranstellen möchte.

 

Die Orgel (vom griech. "organon", lat. "organum = Werkzeug) ist ein Luftklinger (Aerophon) – d.h.: skalamäßig geordnete, intonierte und gestimmte Pfeifen werden über ein Gebläse (im frühen Orgelbau über eine Balgtretanlage) mit "Wind" (orgelfachlicher Terminus für Luft) versorgt. Über Klaviaturen (Manual- und Pedaltasten), Register- und Trakturverbindungen werden in der Windlade (Windkasten, auf dem das Pfeifenwerk steht) Ventile geöffnet, so dass der Wind in die angespielten Pfeifen klangbildend einströmen kann. Die Orgel entstand im späteren Altertum unter Zugrundelegung der Panflöte. Die früheste, bereits ausgebildete Orgel, von der man weiß, ist die im 2. Jh. V. Chr. von Ktsebios in Alexandria erfundene Wasserorgel, deren Luft durch Wasserdruck komprimiert wurde. In dieser Form verbreitete sie sich über das ganze Römische Reich; doch ist schon um die Mitte des 4. Jhs. die rein luftgesteuerte Orgel mit Blasebälgen (also frei vom Umweg über den vorerwähnten Wasserdruck), wie sie Kaiser Theodosius auf einem Obelisken in Konstantinopel hat verewigen lassen, gebräuchlicher.

Im Abendland verschwand die Orgel im 6. Jh. völlig. Das oströmische Reich dagegen pflegte ihren Bau und ihr Spiel weiter und wurde so zum Ausgangspunkt der mittelalterlichen Orgelgeschichte. Im Jahre 757 schenkte Kaiser Konstantin Kopronymos Pipin dem Kleinen ein Organum, und 826, unter Ludwig dem Frommen, baute der venezianische Presbyter Georgius nach griechischer Art in Aachen die erste okzidentale Orgel. Noch im selben Jahrhundert warfen sich namentlich deutsche und französische Mönche mit Eifer auf den Bau dieses Instruments. Ihre kleinen Werke wurden zunächst als Hilfsmittel beim Gesangsunterricht verwendet; sie hatten anfangs einen diatonischen Umfang von nur einer Oktave (c – c1) und die längste ihrer erznen oder kupfernen (Prinzipal-) Pfeifen maß 4‘ – Länge. Statt eigentlicher Tasten hatte sie aufrechte Holzplättchen mit aufgeschriebenen Tonbuchstaben; zurückgeklappt, gewährten ihre Hebelarme dem Wind den Zugang zu den Pfeifen, solange, bis der Spieler ihnen die Ruhelage wiedergab. Indessen wurden bald auch größere Orgeln gebaut und im Gottesdienst verwendet. Schon 953 wurde Ottos I. Bruder Bruno im Kölner Dom unter Orgelbegleitung zum Erzbischof geweiht. Die 980 beschriebene Orgel zu Winchester hatte zwei Manuale zu 20 Tasten für zwei Spieler und 10 Pfeifen pro Taste, im ganzen also 400 Pfeifen, die in mehrfacher Besetzung außer den Grundtönen die Oktaven und Doppeloktaven hergab.

Eine eigentliche Tastatur hatte auch dieses Riesenwerk noch nicht; erst um 1100 dürfte eine Klaviatur in unserem Sinne geschaffen worden sein. Die Erfindung der Mixturen wird dem 12. Jh. zugeschrieben. Die daraus folgende Komplizierung des Mechanismus machte die bis dahin sehr leichte Spielart außerordentlich schwer, so dass die Organisten des 13. und 14. Jhs. ihre 2.3 Zoll breiten Tasten mit Fäusten und Ellenbogen regelrecht "schlagen" mussten. Ausgang des 14. Jhs. wird das Pedal erfunden; die alte Ansicht, dass diese wichtige Erfindung Deutschland gutgeschrieben werden müsse, ist heute umstritten; nach neuesten Forschungen gilt der 1318 gestorbene Brabanter Orgelbauer Louis von Valbeke als ihr Urheber.

Nun zu Ihrer neuen Orgel:

Mit diesem Instrument liegt ein Ergebnis einer – wie vor skizzierten – langen technischen Entwicklung vor. Die orgelbaukundliche Erfahrung mehrerer Jahrhunderte führte zu klanglichen und technischen Bauprinzipien, die in Ihrer Orgel in bemerkenswerter Weise ein Dispositionskonzept ermöglichten, das in ausgewogener Form alle heute zugänglichen Stilepochen der Orgelliteratur hörbar werden lassen kann. Die Entscheidung für den Bau einer vollmechanischen Schleifladenorgel war mit den bauseitigen Planungen in Einklang zu bringen: Vorgehängter Aufbau, hinterspielig aufzustellender Orgelspieltisch, Freilassung von Prospektfeldern zwecks Aufstellung des Kirchenchores hinter dem Orgelgehäuse – eine klanglich wie technisch höchst interessante Aufgabe für meine Werkstatt.

Die wohl schwierigste Aufgabenstellung beim Bau Ihrer Orgel lag aufgrund der besonderen raumakustischen Bedingungen und von der Aufstellung des Gehäuses her beeinflussten Klanggebung in der Berechnung und Festlegung der Pfeifenmensuren.

So führte ich beispielsweise Hörproben in vergleichbaren Räumen durch. Die verschiedenen Parameter (Mensur, Material, Intonation, Raumakustik) mussten zu einer Synthese geführt werden, deren klangphysikalisches Ergebnis eine Einheit zwischen Orgelwerk und Raum entstehen lässt. In der Materialfrage entschied ich mich nach entsprechenden analytischen Vergleichen bei den Metallpfeifen zur ganz gezielten Verwendung hochprozentiger Zinnlegierungen sowie der Verarbeitung hochwertiger Naturhölzer und Holzpfeifen.

Alte und neue Techniken des Pfeifenbaus und der Intonation verband ich bei der Gestaltung der Labien, der Kernstellung und der Bestimmung der Aufschnitthöhe. Mir lag an einer stilistischen Verschmelzung der technischen Konstruktionselemente mit dem intonationsbedingten Grundton und Obertonaufbau der einzelnen Register – immerhin waren offene, halbgedeckte und vollgedeckte Labialregister in ein organisches Klangspektrum von Aliquotstimmen (Mixtur, Sesquialter, Larigot) und dem Hauptwerk-Lingualregister (Trompete 8‘) zu integrieren. Trotz dieses Integrationsprozesses lag mir daran, jedem Einzelregister seine individuelle durch die Bauform bestimmte charakteristische Klangfarbe zu geben.

Diese übergeordneten Überlegungen zur Klanggestaltung ergaben mit der erforderlichen kunsthandwerklichen Hinwendung zur optischen Erscheinung das Gesamtbild einer modernen Orgel, die das überlieferte Erbe der Orgelbauhistorie achtet und zugleich den Ansprüchen an eine zeitgemäße Orgelmusikkultur gerecht wird.

Ob liturgisches oder konzertantes Orgelspiel:

Mein Instrument, das ich Ihrer Gemeinde mit der heutigen Orgelweihe überantworten darf, möge der MUSICA SACRA in allen ihren Erscheinungsformen dienen, zum Lobe Gottes und Mariens erklingen und zur Erbauung der Gemeinde beitragen – SOLI DEO GLORIA!

Friedhelm Fleiter

(Orgelbaumeister)                                                                                                                 zurück zu unserer Kirche