|
Seit über 600 Jahren wurde in einem Sieben – Jahres – Rhythmus der kostbare, versiegelte Marienschrein mit den vier großen Aachener
Heiligtümern, die mit Ereignissen im Leben Jesu in Zusammenhang gebracht werden, nämlich das Kleid Mariens aus der heiligen Nacht, die Windeln des Christkinds, das Enthauptungstuch Johannes des Täufers und das
Lendentuch des gekreuzigten Erlösers, geöffnet und öffentlich auf der Domgalerie zu Aachen gezeigt.
Aus diesem Anlass pilgerten in früheren Zeiten eine Vielzahl von Menschen aus dem gesamten Erkelenzer Raum, auf einem festgelegten, alten Pilgerweg, über
Baal, aus Richtung Ophover Hof, über die heutige „Kapellenstraße“ (früher Lövenicher Straße), sowie die Straßen „Am Hang“ und „Am Hackeberg“, weiter zum „Körrenziger Kreuz“ und dann zum
Aachener Dom.
Für diese zahlreichen Pilger, die betend und singend durch unseren Ort zogen, ihrem Ziel entgegen, waren Kreuze und Kapellen eine willkommene
Andachts- und Ruhestätte.
So wurde dann von den damaligen Nachbarn der heutigen Kapellenstraße, um die Jahrhundertwende, die Marienkapelle, mit ihrem sechseckigen Grundriss,
erbaut und am14. Mai 1905 feierlich durch Pfarrer Giesbert eingesegnet.
Diese Kapelle diente fortan nicht nur den Aachen-Pilgern als Station, sondern auch den Baalern als Gebetsstätte bei den jährlichen
Fronleichnamsprozessionen und Marienfeiertagen. Hierfür wurden die heutige Kapellenstraße und die Straße Am Hang, festlich mit Triumphbögen, Fahnen und Blumenteppichen geschmückt.
Die erste Marienfigur in der Kapelle stammte aus der alten Kirche, auf die das Altarkreuz in der Ortsmitte, heute noch hinweist.
Diese Figur ging leider im zweiten Weltkrieg verloren.
Die heutige Marienfigur stammt aus unserer jetzigen Kirche.
Unterhalten und gepflegt wird die Kapelle seither und bis heute zu noch von einigen Familien aus der Nachbarschaft.
Da dieses eigenverantwortliche Unterhalten in der heutigen Zeit jedoch immer schwieriger wurde, beantragte der damalige Stadtverordnete M. von de Berg,
um die Kapelle zu unterhalten, die Unterschutzstellung.
So wurde sie sodann von der Stadt Hückelhoven, als Untere Denkmalbehörde, am 05. Juli 1988 als Denkmal in die Denkmalliste aufgenommen.
Aus diesen Gründen fasste der Kirchenvorstand am 25. März 1988 den einstimmigen Beschluss, „die Trägerschaft durch die Katholische Kirchengemeinde zu
übernehmen für die Unterhaltung und Pflege der Kapelle.“
Bis zur Mitte des Jahres 2004 wurde die Kapelle von der Familie Rick und stellvertretend von Familie von de Berg, gepflegt.
Nachdem Frau Franziska Rick im Juli 2004 verstarb, übernahm dann vereinbarungsgemäß Frau Karla von de Berg und vertretungsweise Frau Kläre Flören die
Pflege, sowie das tägliche Abzünden der Kerzen.
So ist es auch eine jahrzehntelange Tradition der Familien von de Berg und Flören, anlässlich ihrer jährlichen Pilgerfahrt am Silvestertag nach Kevelaer,
eine große, gesegnete Kerze mitzubringen, welche an Feiertagen und zu „besonderen Anlässen“ zu Ehren der Mutter Gottes, mit der Bitte um Fürsprache und immerwährender Hilfe, angezündet wird.
Infolge einer lebensgefährlichen Erkrankung, mit keiner Aussicht auf eine Heilung, stifteten die Familien von de Berg, Flören und Schröder, nach einer
wundervollen Genesung der Erkrankten, im Jahre 1999, ein schweres Eichenkreuz mit einem Bronze-Korpus, welches aus Dankbarkeit in der Kapelle einen ehrenvollen Platz fand.
Solange es noch möglich ist, wird die Kapelle von den wenigen noch verbliebenen katholischen Nachbarn gepflegt und finanziell unterhalten.
Dies bleibt uns, auch aus der von unseren Vorfahren übernommenen Tradition heraus, eine ehrenvolle Verpflichtung.
„Oh Maria hilf!“
Manfred von de Berg Juli 2005
|